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Auftakt der Reihe "Wissensdialog vor Ort" am 6. April 2016

Rege Teilnahme, spannende Gespräche: Im K(ult)urhaus Bad Peterstal wurde am Mittwoch der Bogen von der Geschichte in die Gegenwart und Zukunft der Nationalparkregion gespannt.

Rege Teilnahme, spannende Gespräche: Im K(ult)urhaus Bad Peterstal wurde am Mittwoch der Bogen von der Geschichte in die Gegenwart und Zukunft der Nationalparkregion gespannt. Über 70 Menschen kamen auf Einladung des Wissensdialogs Nordschwarzwald und der Kur und Tourismus GmbH am 6. April 2016 in das K(ult)urhaus Bad Peterstal. Auf dem Programm stand der Vortrag von Prof. Dr. Uwe Eduard Schmidt zum Thema „Köhler, Flößer und Papiermüller – Menschen, die die Kulturlandschaft Schwarzwald prägten". Wie mühsam die Urbarmachung, Kultivierung und Besiedlung des Schwarzwalds war, machte Bürgermeister Meinrad Baumann in seiner Begrüßung deutlich; eine „gute alte Zeit" habe es nie gegeben. Angesichts dieses hart erarbeiteten Lebensraumes möge es manchem schwer fallen, nun auf der Fläche des Nationalparks „Natur Natur sein zu lassen". Baumann zeigte sich überzeugt, dass sich dieser vermeintliche Verlust langfristig als Gewinn für die ganze Region erweisen werde – für die Entwicklung von Tourismus und Wertschöpfung und die Rückbesinnung auf geistige und seelische Kräfte gleichermaßen. Dabei in einen ernst gemeinten Dialog zu kommen, sei zentral für die gemeinsame Weiterentwicklung der Region.

Referent Uwe Schmidt ließ die Geschichte des mittleren und nördlichen Schwarzwalds lebendig werden. Anekdotenreich zeichnete er den Weg vom als siedlungsfeindlich empfundenen und deshalb als „kriegerisch oder schwarz" bezeichneten Wald bis zur zunehmenden Inanspruchnahme des Waldes durch den Menschen nach. Sei es das Flößen von Tannenstämmen nach Holland im 18. Jahrhundert („Ganz Amsterdam steht auf Schwarzwälder Tannen", so der O-Ton), die Köhlerei oder das Glashüttengewerbe – Holz war begehrt. Die Nachfrage führte schließlich im 19. Jahrhundert zu einer solchen Holzknappheit, dass es zu (Zwangs)auswanderungen von Menschen nach Amerika kam. Die Einführung der Steinkohle als Brennstoff und veränderte Waldbaumethoden waren einige der Wege, mit denen die Menschen Lösungen aus der „Holzkrise" suchten.

Das zu all diesen Themen viel Ortskenntnis und Erfahrung im Raum waren, wurde im anschließenden, von Moderatorin Antonia Engel geleiteten Gespräch rasch deutlich. Ob es um das Gewerke der Flößerei oder die Pflege des Glashüttenerbes ging: immer wurde in der Diskussion auch die Frage aufgeworfen, wie der Nationalpark daran mitwirken könne, Traditionen zu pflegen und weiterzuführen. Dr. Thomas Waldenspuhl, Leiter des Nationalparks, sagte hier das Interesse des Nationalparks und die Möglichkeit der Einbindung von Themen bei der Etablierung des neuen Besucherinformationszentrums zu. Er warb darum, den Nationalpark als Chance für die Region zu sehen und diese gemeinsam zu gestalten.

Breiten Raum nahm die Frage nach den Chancen, die Geschichte und Nationalpark für den Tourismus (die „weiße Industrie des Schwarzwalds") bedeuten können, ein. Eine Teilnehmerin wies auf die frühere Bedeutung der Heilquellen und des Kurwesens für Bad Peterstal hin und machte sich für eine größere öffentliche Aufmerksamkeit für diesen Aspekt der Ortsgeschichte stark. Prof. Dr. Barbara Koch, Projektleiterin des Wissensdialogs Nordschwarzwald, hob die Ruhe und Entspannung, die der Schwarzwald bietet, als Markenzeichen der Nationalparkregion hervor. Vielleicht werde es nicht gelingen, Menschen wieder für eine längere Urlaubsdauer an den Schwarzwald zu binden, aber für die Bevölkerung der angrenzenden Ballungsräume bringe der Schwarzwald ideale Voraussetzungen mit, Ruhe zu finden und neue Energie zu tanken. Für die Region sei es jedoch nicht nur wichtig, für Touristen attraktiv zu sein – auch Neubürger gelte es zu gewinnen, um die Orte lebenswert zu erhalten, betonte eine Neubürgerin von Bad Peterstal-Griesbach. Dies war ganz im Sinn von Axel Singer, Geschäftsführer der Kur und Tourismus GmbH Bad Peterstal-Griesbach: Wenn die Menschen sich für ihre Region begeisterten und gern hier lebten, dann würden sie wiederum andere begeistern können. Die Debatte wurde in lockerer Runde bei Snacks und Getränke fortgesetzt (gesponsert von: Alpirsbacher Klosterbräu, Oberkircher Winzer eG, Peterstaler Mineralquellen GmbH). Ganz im Sinne der Veranstaltung entstanden so aus dem „Wissensdialog vor Ort" viele kleine Dialoge.