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Exkursion mit dem Teilprojekt "Heute Kulturwald - morgen Urwald?"

 

Bei strahlendem Sonnenschein kamen am 28. Oktober 2016 über 25 Teilnehmende ins Schönmünztal bei Baiersbronn-Zwickgabel, um mehr über das Teilprojekt „Heute Kulturwald – morgen Urwald?“ des Wissensdialogs Nordschwarzwald (WiNo) zu erfahren.

 

Im Mittelpunkt der Exkursion stand ein waldbauliches Experiment, dass ein WiNo-Forschungsteam der Universität Freiburg in enger Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung durchführt. Prof. Dr. Jürgen Bauhus und Adam Benneter von der Professur für Waldbau der Universität Freiburg und Dr. Stefanie Gärtner vom Fachbereich Ökologisches Monitoring, Forschung und Artenschutz der Nationalparkverwaltung leiteten die Exkursion. Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren Anwohnerinnen aus dem Schönmünztal und der umliegenden Region, Besucherinnen des Nationalparks, Wanderführer und Ranger sowie internationale Studierende der Universität Freiburg

 

Nach der gemeinsamen Fahrt zu den Versuchsflächen erklärte Prof. Dr. Jürgen Bauhus den Teilnehmenden zu Beginn die Idee und das Interesse hinter diesem außergewöhnlichen und bis jetzt in Deutschland einzigartigen Forschungsprojekt. So sei die Fichte, die heutzutage im Nationalpark ca. 70% der Fläche bewachse, weitgehend ein Produkt der Waldbewirtschaftung und nicht natürlicher Bestandteil der meisten Wälder. Das Ziel des Projektes sei es zu untersuchen, ob und wie die Umwandlung eines Wirtschaftswaldes in einen urwaldähnlichen Zustand die Diversität und Vitalität des Waldes fördere.

 

Adam Benneter erläuterte das Vorgehen in den Wochen vor der Exkursion. Man habe in Kooperation mit der Nationalparkverwaltung zwölf Plots (Versuchsflächen) definiert, sechs davon bearbeitet und auf diesen Totholz geschaffen. Zum einen habe man Bäume geringelt, um stehendes Totholz zu schaffen, zum anderen Bäume mitsamt Wurzelteller umgezogen, um natürliche Sturmschäden nachzubilden. Die verbleibenden sechs Plots seien als Kontrollflächen eingeteilt worden und wurden dementsprechend nicht behandelt. Mithilfe von Langzeitbeobachtungen soll nun herausgefunden werden, ob die Maßnahmen geeignet sind, die natürliche Waldentwicklung und die Biodiversität zu fördern. Um belastbare Ergebnisse zu erhalten, sei die Langfristigkeit des Monitorings zentral, die in diesem Umfang nur in einem Nationalpark möglich sei, so Bauhus.

 

Frau Dr. Stefanie Gärtner erläuterte die Sichtweise der Nationalparkverwaltung auf das Forschungsprojekt. So wolle man von Seiten des Nationalparks gern mitforschen, es gebe aber kein Bestreben, die waldbaulichen Maßnahmen auf andere Flächen des Nationalparks auszuweiten. Denn oberstes Ziel der Nationalparkverwaltung sei es, in den Kernzonen den Prozessschutz zu gewährleisten. Mitarbeitende der Nationalparkverwaltung übernehmen das Monitoring verschiedener Artengruppen auf den Versuchsflächen: Mit verschiedenen Forschungsmethoden werden Veränderungen in den Artengemeinschaften der Pilze, Käfer und anderer Insekten, Vögel und der Bodenvegetation erfasst. Durch die entstandenen Lücken komme es zu mehr Licht im Bestand, das sich wiederum auf die weitere Vegetationsentwicklung auswirke. Man werde hier mit speziellen Fotos (Fisheye) die Veränderung der Einstrahlung im Laufe der Zeit verfolgen. Durch die Aufzeichnung von Vogelstimmen werden mögliche Veränderung des Vogelbestands in den Plots gemessen. Ziel sei es auch zu erforschen, inwiefern sich durch die Renaturierung der Versuchsflächen neue Mikrohabitate entwickeln.

 

Bei der Besichtigung der Plots entwickelte sich unter den Teilnehmern eine rege Diskussion über die Vor- und Nachteile eines solchen Forschungsprojektes. So wurden z.B. Fragen nach der objektiven Auswahl der Plots gestellt. Adam Benneter erklärte die Auswahlkriterien und die damit verbundenen Schwierigkeiten. Die doch sehr unterschiedlich verteilte Bewaldung war z.B. ein Problem, das es zu beachten galt. Frau Gärtner ergänzte, dass auch die vielen Waldwege die Möglichkeiten, Plots zu definieren, erschwert haben. Der bewusste Eingriff in das Waldökosystem durch ein Forschungsprojekt wurde von den Exkursionsteilnehmenden als durchweg positiv bewertet: „Forschung gehört einfach zu einem Nationalpark dazu“, so die Ansicht vieler Teilnehmer.

 

Nach ca. zweistündiger Exkursion kehrten die Exkursionsteilnehmenden im Gasthaus Waldblick ein, um das Gesehene und Erlebte in gemütlicher Runde weiter zu diskutieren. Die Exkursion war in die Veranstaltungsreihe Wissensdialog vor Ort eingebettet, mit der Forschende des WiNo-Projektes mit Interessierten aus der Region ins Gespräch kommen wollen.

 

Bericht: Jakob Staneker / Regina Rhodius (WiNo)