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Heute Kulturwald – morgen Urwald?

Restaurationsmaßnahmen als Impuls für eine natürliche Waldentwicklung
Was 2016 erarbeitet wurde und wie es weitergeht

Bericht des Forschungsteams der Universität Freiburg:

2016 starteten wir unser Experiment im Schönmünztal! Als erstes ging es an das Einmessen und Inventarisieren der zwölf Versuchsflächen, die jeweils eine Größe von einem Hektar haben und von Fichtenbeständen dominiert sind. Anhand der Inventur wurden in Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung auf sechs Flächen insgesamt 120 Einzelbäume entweder mittels eines Forstspezialschleppers umgezogen oder teilweise entrindet. Beide Vorgehensweisen führen zum Absterben der Bäume, wodurch eine erhebliche Menge Totholz bereitgestellt wird. Durch das routinemäßige Monitoring der Mitarbeitenden des Nationalparks wird sich in den kommenden Jahren zeigen, inwiefern durch solche Maßnahmen die Artenvielfalt bzw. die naturschutzfachliche Wertigkeit von Wäldern beeinflusst werden kann. Dazu werden wir 2017 das vor den Maßnahmen vorhandene Totholzvolumen der Versuchsflächen rekonstruieren und das Aufkommen von kleinräumigen Lebensräumen (Mikrohabitaten) ermitteln. Auch diese Aufnahmen sollen dabei helfen, den ökologischen Wert der Bestände aufzuzeigen und in Kombination mit Folgeinventuren die Veränderung über die Zeit zu veranschaulichen.

 
Worum es geht

In Wirtschaftswäldern sind artenreiche und naturschutzfachlich wertvolle Lebensgemeinschaften stark an späte Waldentwicklungsphasen gekoppelt. Dementsprechend vergehen mitunter Jahrhunderte bis aus Wirtschaftswäldern struktur- und totholzreiche und damit urwaldgleiche Wälder entstehen. Auch im noch jungen Nationalpark Schwarzwald sind aufgrund der zurückliegenden Bewirtschaftung sehr viele Waldflächen noch weit von urwaldähnlichen Zuständen entfernt und bestehen zu einem Großteil aus gleichaltrigen Fichtenreinbeständen. Anlässlich dieser Ausgangslage erforscht ein Team der Universität Freiburg, inwiefern waldbauliche Restaurationsmaßnahmen die natürliche Waldentwicklung beschleunigen und damit Habitatangebot und Vielfalt von Arten des Bergmischwaldes erhöhen können. An das im Wissensdialog beginnende Forschungsprojekt sind Langzeitbeobachtungen angeschlossen. Diese sollen zeigen, ob die in Folge der Restaurationsmaßnahmen einsetzenden Waldentwicklungsprozesse geeignet sind, die Bestände weniger anfällig gegenüber Störungen wie Sturm und Borkenkäfern zu machen. Dabei stellt sich vor allem die Frage, inwiefern waldbauliche Restaurationsmaßnahmen die Baumartenzusammensetzung und Struktur der Bestände und ihrer Lebensgemeinschaften beeinflussen. Auch sollen natürlich ablaufende Prozesse ähnlicher oder gleicher Wirkung (z.B. Käferlöcher) erfasst und hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Artenvielfalt beurteilt werden.

 

Wie es gemacht wird

Zur Überprüfung der Forschungsfragen wird ein langfristiges Experiment in Jungbeständen (ca. 16 Jahre alt) und 70- bis 80jährigen Fichtenbaumhölzern im Nationalpark Schwarzwald angelegt. In den Jungbeständen werden z.B. Durchforstungen zugunsten von Mischbaumarten (Tanne, Kiefer, Birke, Buche, Ahorn) durchgeführt, zudem wird Totholz aus anderen Bereichen des Nationalparks eingebracht. In den Fichtenbaumhölzern wird durch Ringeln bzw. Umziehen von Einzelbäumen stehendes und liegendes Totholz geschaffen; so werden auch Lücken zur Entstehung von ungleichaltrigen Beständen erzeugt.

 

Ansprechpartner

Dr. Patrick Pyttel, Universität Freiburg (patrick.pyttel[at]waldbau.uni-freiburg.de; Tel.: 0761/203-3679)